Die Wissenschaft bezeichnet mit dem lateinischen Wort für `küssen` die Annäherung einer Kurve an eine andere Kurve, einen Kreis oder eine Raumsphäre, der sie sich im übertragenen Sinne anschmiegt. Im Axis Syllabus* übernehmen wir diese Idee, um die dreidimensionale Seitneigung der Wirbelsäule zu benennen, die der menschlichen Fortbewegung zugrunde liegt – ein Erbe unserer Fisch-Vorfahren, die sich durch Wellenbewegungen von einer Seite zur anderen durchs Wasser bewegen. Wenn Fische sich dabei ständig um das Wasser zu ihrer Rechten und Linken schmiegen, wären wir die Spezies, die den Raum um sich herum küsst...
Das Zusammenspiel der facettenreichen Wirbelsäule mit ihren vielen Gelenken, Muskeln und dem elastischen Faszialgewebe gestaltet die Bewegung unseres gesamten Körpers durch den Raum. Dabei liefert die Schwerkraft unserem Eigenwahrnehmungssystem kontinuierlich Information dafür, wie er sich sinnvoll in den Raum und zum Boden hin artikulieren kann.
Theorie und Praxis gehen in diesem Workshop Hand in Hand; wir werden zwischen anatomischem Anschauungsmaterial und praktischer Erforschung abwechseln und uns durch beides inspirieren lassen. In (Partner)improvisationen und choreographierten Bewegungssequenzen spielen wir im Tanz mit der theoretischen Information.

* Axis Syllabus (Autor: Frey Faust, www.axissyllabus.org) ist ein Bewegungslexikon, dem ein ganzheitliches Verständnis menschlicher Bewegung zugrunde liegt. Informationen aus Biomechanik, Anatomie, Physik und Medizin werden in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung betrachtet und in der Praxis dazu genutzt, Bewegungen zu analysieren und eine funktionell sinnvolle Koordination im eigenen Körper und im Zusammenspiel mit den uns umgebenden physikalischen Kräften zu erforschen und zu trainieren.
Eine Axis Syllabus Klasse bietet einen Ort für spielerische Erfahrung und persönliche Recherche in einem kollaborativen Lernumfeld. Als Inspirationsquellen nutzen wir anatomisches Anschauungsmaterial, strukturierte (Contact)Improvisation und choreographierte Bewegungssequenzen – dabei geht es um ein leichtes und intensives Bewegungsgefühl (nicht nur) im Tanz und um respektvollen Umgang sowohl mit uns selbst als auch miteinander. Und – natürlich – um die Freude am Tanzen! 

 

Irina Hortin

Irina Hortin (www.irinahortin.com) studierte zeitgenössischen Tanz, Literatur und Linguistik in Deutschland, Frankreich und Argentinien, wo sie den Tango intensiv kennen- und lieben gelernt hat. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in Köln, München und überall dort, wo sie getanzt und gelebt hat - vor allem aber im Nomadic College bei Frey Faust, der wegweisend für ihren tänzerischen Weg war und ist. Sie arbeitet international als freischaffende Tänzerin, Choreographin und Dozentin (u.a. am Tanzhaus NRW und bei Contact(Tango)- und ImprovisationsFestivals) und ist zertifizierte Iyengar Yogalehrerin. Seit 2012 ist sie Choreographin für das Schalktheater/Zürich. Zusammen mit Gabriele Koch leitet sie das Projekt 1001Tropfen (www.1001tropfen.de) und kreiert Tanztheater in der Natur und im urbanen Kontext. Irina interessiert sich lebhaft dafür, wie der menschliche Körper jenseits von Sprache kommuniziert, für seine Resonanz in anderen Körpern und im weiteren Umfeld. Sie ist zertifizierte AxisSyllabus Lehrerin und forscht praktisch, theoretisch – und leidenschaftlich! - rund um das kinetische Potential unseres Körpers.